Verdis Freiheitsoper entfaltet ihre Glut unter freiem Himmel (2010)

Beim diesjährigen Sommer Klassik Open Air wurde Verdis NABUCCO in einem ganz besonderen Flair historischer Orte und bundesweit präsentiert.


So auch in Barmstedt! Über 100 Mitwirkende machten diese Open Air Produktion zu einem einmaligen Erlebnis. Jede Aufführung stellte ein Unikat dar, deren Espressivo eine einzigartige Atmosphäre schaffte, die durch die Summe ihrer örtlichen Begebenheiten mitbestimmt war. Die entscheidende Konstante dabei war das hervorragende Ensemble unter der Stabsführung von namenhaften und berühmten Dirigenten, das sich täglich der Herausforderung wechselnder atmosphärischer und akustischer Gegebenheiten stellt.

32 Fotos der Nabucco-Veranstaltung wurden von Horst Doering zur Verfügung gestellt.

Verdis Nabucco (1842) markiert den Beginn seines internationalen Erfolgs als Komponist. Von dort an wird er unermüdlich komponieren, weshalb er diese Zeit im Nachhinein als „Galeerenjahre" bezeichnen wird. Die vier Teile der Oper denen jeweils ein Motto aus dem Buch Jeremias vorangestellt ist gewinnen die ihnen eigene Faszination durch die alttestamentliche Wucht der Zaccaria-Beschwörungen, durch inbrünstige Chöre wie dem sinnbildlich gewordenen Gefangenenchor im 3. Teil. Alles andere als an eine Galeerenbank geschmiedet erklingen in den ersten Zeilen die Worte „Va, pensiero/ Flieg, Gedanke". Der Gefangenenchor wird zur heimlichen Nationalhymne des im 19. Jahrhundert nach Einheit und Freiheit strebenden italienischen Volkes stilisiert und ist legendenumwuchert. An einem Winterabend in Mailand begegnet Verdi dem Opernchef Merelli, der ihm das Libretto übergibt. ,,Zu Hause angekommen", schreibt Verdi, ,,warf ich das Manuskript ziemlich heftig auf den Tisch, vor dem ich stehen blieb. Im Fallen hatte es sich geöffnet, unwillkürlich haftete mein Blick auf der aufgeschlagenen Seite und dem Vers: ,Va pensiero sull'ali dorate...´." Ob Dichtung oder Wahrheit, Verdis großer Wurf ist durchdrungen von draufgängerischer Vitalität. Drama und Pathos konzentrieren sich in brennpunktartig erfassten Situationen, in denen sich überhitzte Affekte steigern und in ekstatischen Ausbrüchen geradezu Flammen schlagen.

Im Sommer Klassik Open Air brachte Verdis Freiheitsoper ihr leidenschaftliches Sujet auf einer Freilichtbühne zur vollen Entfaltung. Nach über 2,5 Stunden verließ der Gast ein Konzert, welches nicht mehr in Vergessenheit geraten wird.


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